DISCOVER FOOTBALL on Tour Reisetagebuch

Mikuszewo

11. Juni 2012

Seit Donnerstag sind wir in Mikuszewo, der ersten Station unserer Tour. Mit 30 Mädchen aus Polen, der Ukraine und Deutschland wohnen wir in einem alten Herrenhaus in der Nähe von Poznan. Neben Workshops, Sprachspielen, Fußballtraining und unserem eigenen Miniturnier wird jeden Abend in einer polnischen Kneipe EM geguckt. Nach Polen und Deutschland ist heute das erste Spiel der Ukraine.

Poznan

13. Juni: Ausstellung und Podium

Unsere zweite Tourstation war Poznan. Unsere Partnerinnen vor Ort, die feministische Organisation Konsola, hatten uns einen Platz für unsere mobile Ausstellung im Kulturzentrum Zamek mitten im Stadtschloß von Zamek organisiert. Nach einem Pressetermin konnten wir die ersten neuen Fotos für die Ausstellung machen. Hier gibt es einen Bericht über unseren Aufenthalt im polnischen Fernsehen.

Am Abend gab es ein kleines Panel zu Frauenfußball in Polen. Neben DISCOVER FOOTBALL saß der Präsident von POLONIA POZNAŃ Andrzej Powstański auf dem Podium. Seine Frauenmannschaft spielt in der zweithöchsten Frauenliga in Polen. Im Publikum waren auch zwei Spielerinnen von AWF POZNAŃ PIŁKA NOŻNA KOBIET, die es diese Saison ebenfalls geschafft haben in die zweite Liga, die I liga kobiet aufzusteigen.

Große Probleme sahen alle Teilnehmenden in der fehlenden Aufmersamkeit für den Frauenfußball. Ohne Berichterstattung in den Medien keine Sponsoren, ohne Sponsoren kein Geld, ohne Geld kein Fortschritt im Frauenfußball. Außerdem wurde auf die starren Geschlechterrollen hingewiesen, die Fußball als Frauen- und Mädchensport unpopulär machen.

Die erfolgreichsten polnischen Frauenfußballclubs, die in der Ekstraliga (der höchsten Liga) spielen, kommen interessanterweise eher aus kleineren Städten. Einen Überblick (auf Polnisch) über die verschiedenen Ligen gibt es unter www.kobiecapilka.pl

14. Juni: Miniturnier mit Fußballerinnen aus Poznan

 Am nächsten Tag wurde Fußball gespielt. Die Spielerinnen von AWF POZNAŃ PIŁKA NOŻNA KOBIET traten mit mehreren Teams an, darunter auch einige Futsalspielerinnen. Das DISCOVER FOOTBALL Team wurde von lokalen Spielerinnen unterstützt, so dass wir sogar den zweiten Platz ergattern konnten.Nach der Siegerinnenehrung konnten wir die ersten Fotos für unsere Ausstellung sammeln und abends am alten Marktplatz von Poznan zusammen mit den Fußballerinnen und vielen kroatischen und irischen Fans das Spiel Spanien gegen Irland gucken.

Wroclaw

15. und 16. Juni: Ausstellung

Der dritte Stopp führte uns nach Wroclaw. Mitten in der Innenstadt, direkt an die Fan Zone angrenzend, wurden wir am Plac Solny („Salzplatz“) in der  Stara Giedła („Alte Börse“), einem der wichtigsten historischen Gebäude der Stadt, in einem Geschäftsbüro einquartiert. Obwohl der Portier eigentlich eine UEFA-Delegation aus Deutschland erwartet hatte und uns mit unseren Schlafsäcken und Isomatten anfänglich ungläubig ansah, konnten wir ihn schließlich doch mit unseren Fußballwissen beeindrucken und überzeugen, den reservierten Parkplatz für uns freizugeben – das Foyer, das wie für unseren Crafter gemacht schien!

Direkt vor der „Alten Börse“ zwischen lautstarken Polen- bzw. Tschechien-Anhänger_innen, die dem Abendspiel entgegenfieberten, hatte dann unsere Ausstellung endlich Premiere. Durch den Straßenkick mit dem pinken Ball angelockt wurden dort zahlreiche Fußballfans auf die interaktive Ausstellung aufmerksam und mit ihren Fotonachrichten schnell auch Teil davon. Viele Menschen konnten sich so davon überzeugen, dass Frauenfußball spannend ist und Spaß macht.

Kiew

21. Juni: Ausstellung und Miniturnier

In Kiew, unserer vierten Station, konzentrierten sich unsere Aktivitäten auf das für die EM errichtete Europäische Dorf. Dort hatte uns die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mitten in der Stadt, direkt unter dem Bow of Friendship, einen Patz für unsere Ausstellung, das Miniturnier und die Podiumsdiskussion organisiert. Dort stellten wir unsere Arbeit für Interessierte vor und sammelten neue Portraits und Erfahrungsberichte für unsere Ausstellung.

Zusammen mit unserem lokalen Partner, dem Kiewer Frauenfußballverein NRG, starteten wir am Vormittag in ein spannendes Minitunier mit Frauenteams aus Kiew und der gesamten Ukraine. Auf dem kleinen Soccercourt spielten wir bei circa. 32 Grad Vier gegen Vier. Was für uns eine Herausforderung darstellte, war für viele ukrainische Teams aufgrund ihrer Futsal-Erfahrungen eine Leichtigkeit.  Das Team von NRG wurde auch sodann mit dem Turniersieg für ihren großen organisatorischen Einsatz und ihre sportliche Leistung belohnt. Zwei Berichte im ukrainischen Fernsehen geben die Stimmung während des Turniers wieder:

Trotz unserer Niederlage freuten wir uns besonders über den großen Eifer und die Begeisterung der ukrainischen Spielerinnen. Da es in der Ukraine vergleichsweise wenig Frauenfußballturniere gibt, bot das Miniturnier eine tollte Gelegenheit, das eigene Können zu beweisen. Leidenschaft und Freude am Spiel standen den ganzen Tag im Mittelpunkt und spiegeln sich auch in den neu entstandenen Fotos der Ausstellung wieder.

22. Juni: Podiumsdiskussion

Zusammen mit dem Goethe Institut und dem Frauenkonsortium luden wir zur Podiumsdiskussion in das Konferenzzelt des Europäischen Dorfs ein. Im Zentrum stand dabei die Situation des Frauenfußballs in der Ukraine – ein Randthema in ukrainischen Medien. Aufgrund des großen Interesses an der Diskussion entschieden wir uns, zwei Podien aufeinander folgen zu lassen. So widmete sich die erste Runde aktiven Spielerinnen, während die zweite Struktur und Organisation des Frauenfußballs in der Ukraineunter die Lupe nahm.

Der Veranstaltung gelang es, Aktive aus der gesamten Ukraine zusammen zu bringen und über das gegenseitige Engagement und unterschiedliche Möglichkeiten zu informieren. Die Diskutant_innen identifizierten unterschiedliche Probleme und Hindernisse für den Frauenfußball sowohl auf struktureller als auch gesellschaftlicher Ebene, betonten gleichzeitig einige positive Entwicklungen in den letzten Jahren und äußerten ihre Hoffnung auf mehr Unterstützung. Gleichzeitig verdeutlichte die Diskussion, welcher Vernetzungsbedarf im ukrainischen Frauenfußball besteht und dass es noch viele Vorbehalte und Genderstereotype zu überwinden gibt.

Lviv

24. und 25 Juni: Freundschaftsspiele

Unsere 5. Tourstation war Lviv. Noch kurz vor der Tour haben wir Kontakt zum regionalen Frauenfußballverband herstellen können. Dieser bündelt die Interessen der Mädchen- und Frauenfußballteams der Region um Lviv. Daher spielten wir an den ersten zwei Tagen gleich gegen drei verschieden Teams im Alter von 14-17 Jahren. Am ersten Tag fand ein Miniturnier zentral in Lviv statt. Wir trafen auf 25 sehr begeistere und motivierte Spielerinnen und erreichten am Ende zweier Spiele ein Unentschieden. Zum Ausklang konnten wir dann noch ein sehr spannendes und langwieriges Viertelfinale auf der entspannten Fanmeile Lvivs verfolgen.

Am nächsten Tag ging es früh los ins Trainingszentrum des regionalen Verbandes nach Morshin, in der Nähe von Lviv. Dort spielten wir das erste Großfeldspiel der Tour, auf echtem Rasen im strömenden Regen ohne Rasenschuhe. Unterstützt wurden wir dabei von drei Spielerinnen des Teams aus Lviv. Ein Grillabend in den Karpaten ermöglichte Diskussionen über den Frauenfußball in der Ukraine und hat den anstrengenden aber schönen Tag perfekt abgeschlossen. Hier gibt es einen Bericht vom Freundschaftsspiel im ukrainischen Fernsehen zu sehen…

26. Juni: Podium

Mitten im Zentrum von Lviv hat der regionale Frauenfußballverband die Patenschaft für einen Baum übernommen. Sie sorgen so dafür, dass es einen sauberen und drogenfreien Raum gibt, um sich zu treffen. Genau dort fand unter freiem Himmel die Podiumsdiskussion statt, die unsere Partnerinnen für uns organisiert haben. Hier erfuhren wir noch mal eindeutig, was sich in den Gesprächen der vorangegangen Tage abgezeichnet hatte.

Der regionale Frauenfußballverband wurde gegründet, da es innerhalb des Gesamtverbandes nicht ausreichend Unterstützung für den Frauenfußball gab. Nun wird versucht aus eigener Kraft ein Trainingszentrum für Mädchen und Frauen aufzubauen und Strukturen zu schaffen, damit immer mehr Mädchen Fußball spielen können. Problematisch ist es insbesondere Plätze und Trainingsausstattung zu erhalten. Das Podium konnte seitens unserer Partner_innen genutzt werden, um auf ihre Situation und Forderungen aufmerksam zu machen.

Warschau

27. und 28. Juni: Ausstellung

Mit unserer letzten Station in Warschau hatten wir den perfekten Abschluss für unsere Reise. Zwei Tage lang waren wir mit unserer Ausstellung mitten in der schönen Altstadt Warschaus vertreten. Besonders am Tag des Halbfinal-Spiels kamen viele Fans bei uns vorbei. Neben einer Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft in Warschau haben auch Spielerinnen aus den USA, Deutschland und Polen unsere Ausstellung angeschaut und eine Nachricht hinterlassen. In Warschau haben wir die polnischen Mädchen und ihren Trainer vom Austausch in Mikuszewo wiedergetroffen und gleich das Gefühl gehabt, hier fast schon zu Hause zu sein. Durch das Ausscheiden Deutschlands im Halbfinale, welches wir in der Fanzone, direkt am Kulturpalast, mitverfolgt haben, konnte unsere Stimmung nur wenig getrübt werden.

30. Juni: Das finale Turnier

Mit uns haben 10 Frauenfußballteams an unserem letzten Turnier „Kobiety Kobietom“, zu welchem wir mit den Organisatorinnen Chrząszczyki eingeladen hatten, teilgenommen. Das Turnier findet seit sechs Jahren jährlich statt und Teams reisen aus ganz Polen an, um daran teilzunehmen. Von Amateurinnen bis Profispielerinnen waren alle vertreten und es hat wahnsinnig Spaß gemacht. Bei 32 Grad im Schatten konnten wir uns in der Vorrunde durchsetzen und unterlagen erst im Halbfinale einem Frauenteam aus Lodz. Unsere Gastgeberinnen belegten verdient den dritten Platz. Am Abend wurde gemeinsam gefeiert und Pläne für die Zukunft geschmiedet, ein schöner Tag, auch wenn ein bisschen Wehmut über das Ende der Tour mitschwang. Hier gibts einen Link zu Bildern des Turniers….